Initiative für den Kölner Dom
Das Domkapitel hat entschieden: Ab dem 1. Juli 2026 kostet der Besuch des Kölner Doms 12 Euro. Wir halten das für einen schweren Fehler – für den Dom, für die Glaubwürdigkeit der Kirche, für uns alle.
Was lange als bloße Ankündigung im Raum stand, ist nun beschlossene Sache: Das Domkapitel hat festgelegt, dass der Kölner Dom ab dem 1. Juli 2026 für touristische Besucher Eintritt kosten wird – 12 Euro pro Person. Die jahrelange Begründung lautete, die laufenden Kosten von rund 16 Millionen Euro jährlich seien anders nicht mehr zu decken, der Schritt sei alternativlos.
Wir bleiben dabei: Alternativlos war dieser Schritt nie. Und mit der konkreten Zahl auf dem Tisch wird vollends deutlich, dass es hier längst nicht mehr um das Schließen einer Finanzierungslücke geht.
Die Initiative Offener Kölner Dom ist eine unabhängige Bürgerinitiative. Wir haben keine formale Verbindung zum Domkapitel, zum Zentral-Dombau-Verein oder zur Katholischen Kirche. Wir haben dem Domkapitel zuvor ein anderes Angebot gemacht – getragen von Menschen, die bereit waren, freiwillig für einen offenen Dom einzustehen. Das Domkapitel hat sich anders entschieden. Deshalb ändert auch diese Initiative ihren Kurs: Aus einem Angebot wird Widerspruch.
Um kurzfristig Geld einzunehmen, beschädigt das Domkapitel das, was den Dom überhaupt erst zu dem macht, was er ist – und fügt damit dem Dom und der katholischen Kirche insgesamt weit größeren Schaden zu, als jede Einnahme je wettmachen kann.
Der Kölner Dom ist mehr als eine Sehenswürdigkeit. Er ist ein Ort des Glaubens, ein Weltkulturerbe und ein Versprechen: Jeder Mensch ist hier willkommen – ungeachtet seiner Herkunft, seines Glaubens, seines Geldbeutels. Für viele Menschen bedeutet „in den Dom gehen“ so etwas wie „nach Hause kommen“. Eine Eintrittskasse am Portal zerstört dieses Versprechen.
Eintrittsgebühren machen Orte museal. Der Kölner Dom aber ist kein Museum – er ist ein lebendiger Ort der Glaubensausübung. Idealerweise gehen Menschen, die den Dom als Touristen betreten haben, mit dem Eindruck von etwas Größerem wieder hinaus – berührt, nachdenklich, vielleicht sogar im Gebet. Genau das wird durch Niedrigschwelligkeit befördert. Eine Eintrittsgebühr hingegen ist eine zusätzliche Hürde, die vielen Menschen den zuvor möglicherweise ungeahnten kulturellen und spirituellen Schatz des Doms verschließt.
Das Domkapitel verweist darauf, dass anderswo Eintrittsgebühren üblich seien. Doch wo es sie gibt, sind sie bestenfalls ein notwendiges Übel. In Italien und Frankreich sind Kirchen in aller Regel frei zugänglich – obwohl es dort keine Kirchensteuer gibt. Selbst nach der Brandkatastrophe von Notre Dame und einem überaus kostspieligen Wiederaufbau hat man sich in Paris bewusst gegen Eintrittsgelder entschieden. Warum ausgerechnet der Kölner Dom, der durch den Zentral-Dombau-Verein, das Land Nordrhein-Westfalen und durch Kirchensteuermittel bezuschusst wird, diesen Weg gehen soll, ist schlicht nicht zu rechtfertigen.
Der materielle und immaterielle Schaden, den eine Eintrittsgebühr anrichtet – an der Glaubwürdigkeit der Kirche, an ihrer Offenheit, an der Willkommenskultur des Doms –, wäre ungleich größer als jeder finanzielle Gewinn. Das ist der eigentliche Bärendienst: Man rettet eine Bilanz und beschädigt eine Botschaft.
Mit der konkreten Zahl lässt sich nun beziffern, worum es geht. Der Dom zählt rund 6 Millionen Besucher im Jahr. Selbst unter der pessimistischen Annahme, dass die Gebühr die Hälfte abschreckt, bleiben 3 Millionen zahlende Gäste.
| Zahlende Besucher (Hälfte von 6 Mio.) | 3.000.000 |
| Eintritt je Person | 12 € |
| Einnahmen aus Eintritt (konservativ) | ≈ 36 Mio. € |
| Erhaltungskosten (≈ 44.000 €/Tag) | ≈ 16 Mio. € |
| Verbleibender Überschuss – pro Jahr | ≈ 20 Mio. € |
Von der bloßen Deckung einer Finanzierungslücke kann bei diesen Größenordnungen keine Rede mehr sein. Die Eintrittsgebühr ist kein Notnagel – sie ist eine kommerzielle Erschließung des Doms, deren Erlöse seine Kosten um ein Vielfaches übersteigen.
Der Zentral-Dombau-Verein setzt sich seit 1842 für den Erhalt des Kölner Doms ein und wendet ihm bislang jährlich rund 4 bis 5 Millionen Euro zu. Über Generationen lautete die Begründung für eine Mitgliedschaft: Ohne diese bürgerschaftliche Unterstützung sei der Erhalt des Doms nicht zu finanzieren.
Dieses Argument ist mit der Eintrittsgebühr hinfällig.
Wenn der Dom künftig allein über den Eintritt ein Vielfaches seiner Erhaltungskosten einnimmt, ist nicht mehr ersichtlich, wofür der jährliche Millionenbetrag des ZDV zusätzlich benötigt wird. Das Domkapitel macht den ZDV durch seine Entscheidung also obsolet.
Als verbleibendes Argument bewirbt der ZDV nun vor allem, dass Mitglieder weiterhin kostenlos in den Dom dürfen. Für einen so altehrwürdigen Verein, der sich seit Generationen dem Erhalt dieses Weltkulturerbes verschrieben hat, ist das ein erstaunlich dürftiges Restargument. Eine Mitgliedschaft, die sich auf einen exklusiven Einlassvorteil reduziert – während der Dom für alle anderen zur kostenpflichtigen Sehenswürdigkeit wird –, hat mit dem ursprünglichen Gedanken bürgerschaftlichen Engagements nichts mehr zu tun.
+ 47 weitere Personen haben anonym unterzeichnet.
Mit Ihrer Unterschrift bekunden Sie öffentlich Ihren Widerspruch gegen die Entscheidung des Domkapitels, ab dem 1. Juli 2026 Eintritt für den Kölner Dom zu erheben. Je mehr Menschen sich anschließen, desto deutlicher das Signal: Der Dom soll für alle offen bleiben.